VII


Das Ankleiden
(Zivil um 1250)


HÜTE

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Wer einen Edlen bzw. Adeligen darstellen möchte, darf natürlich auch auf eine Standesgemäße Kopfbedeckung nicht verzichten. Vorlagen für die Anfertigung dieser Kopfbedeckungen lieferten verschiedene Quellen. Die am häufigsten zu Rate gezogenen Quellen sind zweifelsohne der Teppich von Bayeux und die Liederhandschriften der Manesse.

Meine beiden folgenden Hüte sind daher auch Kopien Bekannter Persönlichkeiten aus der Manesse. Für mich extra von der Firma Kings and Queen in Köln (siehe "Meine Links" am linken Seitenrand) angefertigt, kann ich diese nun ( 3 / 2004 ) hier vorstellen.



Als erste Kopfbedeckung habe ich mich für das "Modell" Walther von der Vogelweide (der wohl bekannteste aller Minnesäger) entschieden. Leider gab es in den Vorlagen nur schematische Schwarz / weiß Zeichnungen. Die Farbgebung entspringt daher meiner Vorstellung / Recherche.


Material: Wolle

Farben: Braun / Grün


Erdfarben wie z.B. Braun waren weit verbreitet, da billig herzustellen. Bei der Farbe Grün sieht das schon anders aus. Diese war eine Mischfarbe und daher recht teuer. So habe ich dann beide Farben zusammengestellt um Symbolisch den zusammenschluß von Weltlicher und Geistlicher Stellung des Adligen zu erreichen.



Als nächstes hier das "Modell" des Herrn Goeli (wer immer das auch war). Dieser wird ebenfalls im Zusammenhang mit der Manesse genannt. Sollte jemand wissen um wen es sich dabei genau handelt, der möge mir bitte schreiben. Auch hier waren zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe nur schematische Schwarz / weiß Zeichnungen zu bekommen. Daher auch hier der Hinweis: "Die Farbgebung entspringt meiner Vorstellung / Recherche".

Material:

Wolle / Fell (Kaninchen)

Farben: Rot / Schwarz



Auch hier wieder die symbolische Mischung der Farben. Rot (damals Krapp-Rot) war recht günstig und weit verbreitet. Schwarz dagegen war (zu dieser Zeit noch) recht aufwendig in der Herstellung und daher teuer. Zu dem Fell / Pelz braucht man -glaube ich- nicht viel zu sagen, dieser war nur etwas für die höher gestellten Herren. Bauern etc. dürften (Straffrei) wohl kaum so etwas getragen haben.

Allerdings sollte bedacht werden, daß solch eine Kopfbedeckung allenfalls von adeligen "Familiaren" des Ordens, nicht aber von Ordensrittern, Ordensbrüdern oder gar Priesterbrüdern getragen werden konnten, da diese Familiaren keine Ordensmitglieder im eigentlichen, festeren Sinne und mit dem Orden nur lose verbunden waren (kein Gelübde).



Als letztes Modell hier noch eine Kopfbedeckung welche ich aus einem englisch-sprachigen Buch habe, das sich mit mittelalterlicher Mode in Europa beschäftigt. Dieser Hut ist wohl das hochwertigste Modell dieser Reihe da hier (Farblich) nur vom feinsten verwendet wurde.


Material: Wolle / Blaufuchs (Webpelz)

Farben: Schwarz / rot-bräunlich


Hier gibt es keine Trennung mehr. Alles ist auf den Stand ausgelegt. Die edlen Materialien, die hochwertige Farbe und die Form des Hutes sind für einen Edlen / Adeligen gemacht und auf diesen zugeschnitten. Hier soll bewusst darauf hingedeutet werden WER hier gerade schreitet. Auch dem Deutschen Orden zugehörige Adelige haben immer noch Wert darauf gelegt ihre Abstammung zu zeigen.

Allerdings sollte auch hier bedacht werden, daß eine solche Kopfbedeckung allenfalls von adeligen "Familiaren" des Ordens, nicht aber von Ordensrittern, Ordensbrüdern oder gar Priesterbrüdern getragen werden konnten.



Im Januar 2008 habe ich mir die folgende, schlichte Kappe anfertigen lassen.

Diese Kappe ist Dank ihrer Schlichtheit genau passend für meine Darstellung.

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Polsterhaube(n)
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Für das Anlegen der Rüstung ist natürlich auch eine Gambeson-Haube von Nöten.

Zum einen um den Druck der Kettenhaube auf die Schädeldecke abzufangen (ganz besonders Sinnvoll bei vernieteten oder nicht gut geschlossenen Ringen) und zum zweiten um etwaige Helmtreffer wenigstens etwas abzumildern. Im folgenden habe ich hier zwei meiner Polsterhauben abgelichtet.


Hier meine erste (ältere) Gambeson-Haube aus Stoff.

diese habe ich mir mal aus dem Zeughaus Wiking (inzwischen leider geschlossen) mitgebracht.


Die zweite, nun folgende Haube, habe ich mir anfertigen lassen. Sie ist -wie unschwer zu erkennen- eine recht genaue Kopie der oben zu sehenden Haube und aus Leder gefertigt. Sie ist somit wesentlich robuster (und somit hoffentlich auch langlebiger) als meine Stoffhaube.


(Neu 6 / 05)


Im Dezember 2007 bekam ich zwei sehr schöne Bilder von originalen Helmfuttern / Polsterhauben von Pierre Dammer ("Projekt Mittelalter" bei "Meine Links" am linken Seitenrand).

Diese Bilder wurden 2005 von Ihm in der Wiener Rüstkammer gemacht und zeigen in Topf-, Stech- und Kübelhelmen tatsächlich verwandte Polsterhauben. Die genaue Datierung der Hauben war Pierre und mir bedauerlicher Weise nicht bekannt.

Inzwischen hat sich dies Dank der freundlichen Hilfe von Regina und Martin (von www.ausfall.at) geändert. Von diesen beiden lieben Menschen bekam ich im März 2008 den Text des Ausstellungskataloges zugeschickt.

Er lautet:

" Dreiteilige Wandvitrine: Zubehör zum Gestech 1480 - 1510


6 Helmhauben

Erzherzog Siegmund (von Tirol, 1427/ 1437 / 1496)

Innsbruck, 1448


Erste Gruppe von drei Hauben (B112, B47, B114):

Gestepptes Leinen mit Werg ausgepolstert, durch Hanfborten verstärkt. Nesteln zum Einknüpfen in den Stechhelm (größten Teils fehlend), zwei Kinn- und ein Stirnriemen (letzterer fehlt samt Unterlagsborte bei B113), welcher durch den Stechhelm gezogen und außen verschnallt wurde.


Zweite Gruppe von drei Hauben (B45, B44, B115):

Gearbeitet wie vorige, jedoch lediglich mit Stirnriemen versehen (der bei B115 fehlt).


Zu den Innsbrucker Stechzeugserien von Klaus Wagner, Christian Schreiner, Christian Spörr, usw. (Wandgruppe 1) gehörig. Völlig unikale Objekte."

aus:

Thomas, Bruno; Gamber, Ortwin: Katalog der Leibrüstkammer, 1.Teil: Der Zeitraum von 500 bis 1530; Wien (Verlag Anton Schroll & Co) 1976; Seite 152f


Es handelt sich bei diesen beiden Hauben um originale, mittelalterliche und tatsächlich verwandte Polsterhauben und nicht um Rekonstruktionen oder Repliken.


Die Linke der beiden Polsterhauben habe ich mir inzwischen

(mit leichten Änderungen) nachschneidern lassen.

Hier im März ´08 das Ergebnis:

Na! Damit kann man(n) doch zufrieden sein.


Aufgrund der Änderungen (keine Vernietung, keine Schnalle, keine Lederbänder) könnte die Haube dann auch wieder für meinen zeitlichen Rahmen halbwegs passen, wobei ich aber einräumen muß, daß ich nicht verbindlich sagen kann ab wann die Schnürung am Hinterkopf aufkam und Verwendung fand.


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