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Die Krise des Deutschen Ordens

Wie alle großen (Ritter-) Orden hatte der Deutsche Orden durch Schenkungen und andere Übereignungen wie Erbschaft usw. großen Grundbesitz im Reichsgebiet. Der oberste Amtsträger des Ordens, der Deutschmeister, wurde 1494 von Kaiser Maximilian in den Reichsfürstenstand erhoben. Das 15. und anfängliche 16. Jahrhundert war für den Orden eine verlustreiche und schwierige Zeit: seit 1466 gab es Machteinbußen im Osten, Hussitenstürme in Böhmen, in Südeuropa mussten wichtige Außenpositionen (z.B.: Sizilien und Apulien) aufgegeben werden. Nach dem Staatsstreich Albrechts von Brandenburg verblieben nur noch die Balleien im Reich als Ordensgebiet. Eine weitere Erschütterung der Macht des Ordens waren die Bauernkriege, welche im Kerngebiet des Ordens- dem Südosten des Reiches, wüteten und die Burg Horneck am Neckar welche der Sitz des Deutschmeisters war zerstörten.

Durch die Reformbewegungen der Zeit verlor der Deutsche Orden zahlreiche Ritterbrüder und vor allem Priesterbrüder die ihr Ordenskleid ablegten. Die Reformatoren lehnten das Ordensleben ab und stellten das innere Leben des Ordens in Frage.3

Der erneute Aufstieg

Erst im 16. Jahrhundert gelang es dem Orden sich zu erholen. Von 1525 bis 1809 residierte der Hochmeister in Mergentheim, 1527 bekam der Orden vom Kaiser das Recht sich "Administrator des Hochmeistertums" zu nennen und den Besitzanspruch auf Preußen aufrechtzuerhalten. Auf diese Bezeichnung ist das später verwendete Kürzel "Hoch- und Deutschmeister" zurückzuführen.

In Thüringen, Sachsen, Hessen und Utrecht wo sich die neue religiöse Lehre Luthers fest etabliert hatte gab es auch lutherische und reformierte Ordensbrüder, die sich dem Hochmeister gegenüber loyal verhielten. Sie lebten im Zölibat und ersetzten lediglich die Gelübdeformel durch einen Eid. Zum ersten Mal 1590 und später immer häufiger wählte man den Hoch- und Deutschmeister aus führenden Geschlechtern katholischer Länder- vor allem aus dem Haus Österreich. Dadurch wurde der Orden mehr und mehr zu einem Objekt habsburgischer Politik.4

Im 16. Jahrhundert kam es durch das Konzil von Trient zu einer inneren Erneuerung des Ordens. Die katholische Reform verlangte, dass der Orden zu seinen geistlichen Pflichten zurückkehren solle, die Zahl der Priesterbrüder war stark gesunken. Die Ordensleitung errichtete daraufhin in Köln und Mergentheim Priesterseminare. Jenes in Mergentheim wurde übrigens vom Hochmeister Erzherzog Maximilian von Österreich gegründet. Weiters gewann der Gedanke der Hospitalität wieder an Bedeutung, wie die Errichtung eines Spitals in Sachsenhausen (Frankfurt) im Jahre 1568 zeigt.

Die wichtigste Aufgabe war allerdings- wie in den Zeiten der Ordensgründung, der kampfbereite Einsatz der Ritterbrüder für Kaiser und Reich. Seit dem 17. Jahrhundert nannten sich die Ritterbrüder "cavalliere" und widmeten sich primär Aufgaben die der Verteidigung des Glaubens dienten. Zur verwirklichung dieser Aufgabe dienten vor allem die Türkenkriege. Ritterbrüder dienten als Offiziere in Truppen von katholischen Reichsfürsten und in der kaiserlichen Armee. Seit 1696 stellte der Orden das Regiment "Hoch- und Deutschmeister"- das später zum Wiener Hausregiment wurde.

Das 19. und 20. Jahrhundert

Durch die Säkularisation im frühen 19. Jahrhundert verlor der Orden seine meisten Gebiete. Nach dem Pressburger Frieden 1805 wurde der deutsche Orden mit seinen verbliebenen Besitzungen als österreichisches Staatseigentum betrachtet.

Kaiser Franz I. ließ zwar den Orden unangetastet, dieser war damit jedoch ein Teil Österreichs geworden. Erst 1826 beauftragte er seinen Kanzler Metternich, die Frage aufzugreifen und eine Wiedereinsetzung des Ordens zu erreichen. 1834 verzichtete Franz I. auf alle Rechte aus dem Pressburger Frieden und setzte den Orden wieder in seine alten Rechte und Pflichten ein, der Orden wurde ein selbständiges geistliches Institut unter dem Hochmeister Erzherzog Maximilian von Österreich-Este. Es bestanden nur noch die Balleien Österreich, das Meistertum in Böhmen und Mähren und eine kleine Ballei in Bozen.5

Nach dem Untergang der Donaumonarchie wurde der Orden in den Nachfolgestaaten zunächst als ein Habsbuger Ehrenorden betrachtet, es drohte das Einziehen seines Vermögens als Eigentum der Habsburger. Aus diesem Grund verzichtete Hochmeister Erzherzog Eugen 1923 auf sein Amt. Bis Ende 1927 erkannten dann alle Nachfolgestaaten der Donaumonarchie den Deutschen Orden als geistlichen Orden an. Der Orden umfasste noch die vier Balleien (später Provinzen genannt) im Königreich Italien, in der Tschechoslowakischen Republik, in Österreich und im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Slowenien).6

1938 wurde der Deutsche Orden in Österreich, 1939 in der von Hitler annektierten Tschechoslowakei verboten. In Jugoslawien wurde er infolge der Kriegs- und Nachkriegsereignisse verfolgt, in Südtirol hatte er unter dem Faschismus zu leiden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Österreich das Aufhebungsdekret 1947 annulliert und das Vermögen dem Orden zurückgegeben. Aus der Tschechoslowakei wurden die Angehörigen des Ordens ausgewiesen. Diese Brüder gründeten 1949 in Darmstadt einen Konvent, für die Schwestern wurde 1953 in Passau, im ehemaligen Augustiner Chorherrenstift St. Nikola ein Mutterhaus geschaffen. 1957 erwarb der Orden in Rom ein Haus als Sitz des Generalprokurators, das zugleich als Pilgerhaus dient.

Heute ist der Deutsche Orden mit dem offiziellen Titel "Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem" ein geistlicher Orden. Aktuell hat er etwa 1.000 Mitglieder, davon rund 100 Priester, 200 Schwestern und 700 Familiaren.


3Vgl. Stellwag-Carion Thomas: Der Deutsche Orden, Zeitschrift der K.Ö.St.V. Babenberg, Graz SSe 2008

4Vgl. Internationale Historische Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens (Hrsg.): 800 Jahre Deutscher Orden, Ausstellungskatalog des Germanischen Nationalmuseums. Bertelsmann Lexikon Verlag, München 1990, S. 139-141

5Vgl. Internationale Historische Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens (Hrsg.): 800 Jahre Deutscher Orden, Ausstellungskatalog des Germanischen Nationalmuseums. Bertelsmann Lexikon Verlag, München 1990, S. 348

6Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Orden#19._und_20._Jahrhundert


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