Preußisch - Mark
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Wer einen Abstecher an die westliche Grenze Ostpreußens macht, trifft westlich von Saalfeld, kurz vor Alt Christburg, auf eine der interessantesten Ruinen in Pomesanien. Die Reste der alten Burg Preußisch Mark liegen auf einer stark bewaldeten Halbinsel, die weit in den Mottlau-See hineinragt und schon von den Prussen mit Erdwällen befestigt war. Dort führte früher ein bedeutender Handelsweg vorbei. Um 1274 wird ein Ordenshaus erwähnt, das einflügelig war und einen ummauerten rechteckigen Hof hatte. Dies ist der Ostflügel der später stark erweiterten Burg., dessen langes Fundament mit dem Turmunterbau am Nordende noch heute deutlich erkennbar ist.
~ Neben der Funktion als Vor-Burg zur Marienburg war dieses Haus wegen seiner Festigkeit wohl auch als Schatzkammer für den allgemeinen Landesgebrauch bestimmt. Entsprechende Einrichtungen sind im Turmunterbau des Ostflügels noch zu erkennen. Wenige Tage nach der Schlacht bei Tannenberg richtete der siegreiche Polenkönig Jagiello seinen Eroberungszug auf Preußisch Mark, das ihm am 20. Juli 1410 übergeben wurde. Von seinem Feldquartier bei Zölp sandte er den Notar Zocka zur Inventarisierung der Schätze zur Burg. Dieser wurde auf dem Rückweg samt seiner Begleitung auf Betreiben des polnischen Befehlshaber Mroczko ermordet, um das Bekanntwerden der Aufzeichnungen über die Schätze zu verhindern. Nur kurze Zeit blieb das Ordenshaus von den Polen besetzt, denn bereits 1411 wurde es von der Komturei Christburg bezogen, deren Burg zerstört worden war. In mehrjähriger Arbeit wurde Preußisch Mark zum Konventshaus umgebaut. Der Komtr von Christburg siedelte bereits 1414 nach dort über. Zeitweise war die Burg wegen ihrer günstigen Lage und wegen ihrer Wehrhaftigkeit Hauptquartier des Hochmeisters während des Kampfes um die Rückgewinnung der vom Feind eroberten oder abgefallenen Gebiete. Auch später im dreizehnjährigen Städtekrieg widerstand die Feste einem polnischen Überrumpelungsversuch und blieb wichtiger Stützpunkt des Deutschen Ordens. Sie wurde im 2. Thorner Frieden von 1466 ausdrücklich als Eigentum des Ordens genannt. Die Burganlage besteht aus einer Hauptburg mit zwei Vorburgen. Sie liegt auf einer Halbinsel des Singer-Sees, Teil des Mottlau-Sees, eines Quellsees der alten Sorge, die früher Sirgune hieß. An drei Seiten bilden steil abfallende Uferböschungen einen natürlichen Schutz. Die Halbinsel wurde an ihrem Hals aber noch zusätzlich durch einen künstlichen tiefen Durchstich vom Festland abgetrennt und dadurch ach nach der vierten Seite abgesichert.
~ Nach dem Niedergang des Deutschen Ordens war die Burg 1508 bis 1527 im Besitz der Bischöfe von Pomesanien. Danach wurde in Preußisch Mark ein herzogliches Hauptamt eingerichtet. In dieser Zeit fand eine Instandsetzung der Burg unter Verwendung von Steinen aus dem Fanziskaner-Kloster Saalfeld statt. Die Finanznot des inzwischen entstandenen Herzogtums Preußen führte zu wiederholten Verpfändungen der Burg, die ihrer Erhaltung nicht förderlich waren. Markgraf Georg Friedrich ließ 1584/85 durch Bläsius Berwart umfangreiche Restaurierungen durchführen.
~ Für den Vorwerksbau der Domäne bricht man 1786 große Teile der Burg ab, um Ziegel zu gewinnen Danach fristet sie ein Dasein als Ruine und wird allmählich vom wuchernden Wald verdeckt. Nur der Vorburgturm ragt damals wie heute weit sichtbar hervor. Von der Denkmalforschung werden 1936 die Grundmauern freigelegt und die Grundrisse aufgenommen.
Aus dem Buch: Burgenland Preussen von Friedrich Borchert; Mahnert-Lueg 1987

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