Burg 31

Graudenz

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Als die Ordensritter um 1234 bei ihrem Vorstoß von Thorn über Kulm hinaus der Weichsel folgten, stießen sie auf die uralte prussische BurgGrodeck, die bereits um 1060 dem Ansturm der Polen widerstanden hatte. Nach ihrer Einnahme wurde diese Fluchtburg der Prussen, die im wesentlichen aus Erdwällen und Holzbauten bestand, vom Deutschen Orden als Sicherung des eroberten Gebiets neu befestigt. Um 1242 gelang es dem pommerellischen Herzog Swantopolk und seinen prussischen Verbündeten im ersten Prussenaufstand noch einmal kurzzeitig die Rückeroberung. Doch schon bald konnte der Orden sich hier wieder festsetzen und am selben Platz eine Abschnittsbefestigung mit Holz-Erde-Werken errichten. Um 1250 wurde eine Ordensniederlassung gegründet, deren erster Komtur Bertold hieß und in deren Schutz sich deutsche Einwanderer ansiedelten. Vermutlich waren es die Handwerker, Zimmerleute, Maurer und Steinmetze, die dann den um 1260 beginnenden Ausbau der Burg in Stein ausführten. Graudenz war die sechste Steinburg, die beginnend mit Althaus-Kulm, Elbing, Balga, Christburg und Thorn im Preußenland entstand. Mitten in der Bauzeit berannten die Sudauer die halbfertige Burg, um die Festigung der Ordensherrschaft durch dieses starke Bollwerk abzuwenden. Troz hartnäckiger Belagerung erreichten sie aber nicht ihr Ziel und mussten abziehen. Knapp zehn Jahre später brandete der Tatarensturm heran, der wiederum das erreichte gefährdete. Der Orden ließ die Stadt räumen und abbrennen, um dem Gegner ein festsetzen zu erschweren. Die burg überstand auch diesen Angriff und konnte um 1290 mit dem Bau der Burgkapelle fertiggestellt werden.

~ Nun wuchs die im Schatten der Burg liegende Siedlung, die in die einheitliche Befestigungsanlage miteinbezogen wurde, zur Stadt heran und erhielt am 17. Juni 1291 durch Landmeister Meinhard von Querfurt als Gründungsprivileg die Handfeste nach Kulmischem Recht.


~ Sicher war Graudenz als Komturei ersten Ranges ein begehrter Amtssitz für die Ordensritter; desshalb finden sich unter den Komturen dieses Konvents auch viele bekannte Namen, wie Heinrich von Dobyn (1280/89), Günther von Schwarzburg (1313/35), Heinrich von Boventin (1346/51), Johann von Schönfeld (1379/83), Ulrich von Hachenberg (1389/98), die von hier aus eine Laufbahn als Großgebietiger des Ordens antraten. Der Graudenzer Komtur Wilhelm von Helfenstein (1404/10) kämpfte mit seinem Konvent unter dem Komturei-Banner mit dem schwarzen Stierkopf auf dem linken Flügel des Ordensheeres in der Schlacht bei Tannenberg am 15. Juli 1410 und blieb mit vielen anderen tot auf der Wallstatt zurück. Von der schweren Niederlage bei Tannenberg erholte sich der Ordenstaat nicht wieder. Ihre Folgen legten sich lange und schwer auf das Land und sprengten den Zusammenhalt des Gemeinwesens.


~ Der altehrwürdige Klimek der deutschen Ordensburg Graudenz steht heute nicht mehr. Die deutsche Bevölkerung der Stadt ist tot oder vertrieben. Noch stehen viele Gebäude aus deutscher Zeit, in denen nun Polen leben, In den zurückliegenden vier Jahrzehnten ist eine ganze Generation hier aufgewachsen. Aber können siebenhundert Jahre deutschen Lebens und Wirkens in dieser vom Deutschen Orden gegründeten Stadt einfach weggewischt werden?


Aus dem Buch: Burgenland Preussen von Friedrich Borchert; Mahnert-Lueg 1987



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