Burg 28

Lochstädt

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Quelle Bild: 15


Eine besondere Stellung unter den prussischen Gauen nahm das Samland ein. Dieses rechteckige Küstenland zwischen der Ostsee und den beiden Haffen wurde durch seinen Reichtum an Bernstein schon in sehr früher Zeit in der damaligen Welt bekannt und Ziel von Handels-und Kriegsfahrten.

~ Nachdem der Deutsche Orden bei seinem stetigen Vordringen entlang der Küste des Haffs Balga erobert und als Stützpunkt eingerichtet hatte, lockte das von dort sichtbare gegenüberliegende Ufer des Samlandes. Ein Vorstoß des Christburger Komturs Heinrich Stange über das Eis des Haffs wurde im Winter 1253 zurückgeschlagen. Erst zwei Jahre später gelang es einem starken Kreuzfahrerheer unter König Ottokar von Böhmen, über das Eis die Pregelmündung zu erreichen und von dort aus das Samland zu unterwerfen.

~ Zur Überwachung der Durchfahrt zwischen Haff und Ostsee wurde unmittelbar am Tief die Burg Lochstädt gegründet. Wenige Kilometer entfernt entstand am Haffufer die Bischofsburg Schönewik, aus deren Ansiedlung Bischoveshusen sich später die Stadt Fischhausen entwickelte. Wie bei vielen Ortsnamen gibt es auch für Lochstädt einige Deutungen über seine Herkunft, obgleich sie hier mit der Erklärung, es handele sich um die Stätte des Lochs in der Nehrung, vielleicht zu einfach wäre. Darum soll auch die meistgebrauchte Deutung angeführt werden, wonach der Name vom Samländischen Landedlen Laucstiete stammt, der angeblich einst hier wohnte. Die Bezeichnung Louchstete findet sich auf dem Amtssiegel des Pflegers der Burg von 1422 und räumt damit wohl der letztgenannten Deutung gewisse Vorteile ein. Über die strittige Schreibweise der zweiten Hälfte des Namens ist damit aber noch nicht entschieden, es sei denn, man richtet sich nach der amtlichen Karte und die lautet Lochstädt (mit "ä"). Die bereits zwischen 1275 und 1300 in Stein ausgebaute Burg ist geschichtlich wenig hervorgetreten. Als Konventshaus begonnen, wurde sie nach dem Versanden des Lochstädter Tiefs, das bereits 1311 einsetzte, ab 1327 nur noch von Pflegern verwaltet. Eine gewisse Bedeutung ergab sich aber aus dem Sitz des Bernsteinamts, dem Großschäffer in Königsberg unterstellt war und der Ordenskasse erhebliche Einnahmen brachte.

~ Eine traurige geschichtliche Bekanntheit erlangte Lochstädt als letzter Aufenthalt Heinrichs von Plauen, des ruhmreichen Verteidigers der Marienburg. Nach dreijähriger Amtszeit als Hochmeister wurde er durch Intrigen zum Abdanken gezwungen und nach Engelsburg verbannt. Kurze Zeit später setzte man ihn wegen angeblicher verräterischer Umtriebe zehn Jahre lang in Danzig und Brandenburg in strenge Haft. 1424 wurde ihm die Burg Lochstädt zu freierem Aufenthalt angewiesen und der ihm wohlgesonnene Hochmeister Paul von Rusdorf ernannte ihn dort zum Pfleger. Aber Heinrich von Plauen überlebte diese Ehrenrettung nur ein halbes Jahr und starb am 28. Dezember 1429 auf der Burg Lochstädt. Die standesgemäße Ruhestätte in der Hochmeistergruft der Marienburg hat man ihm nicht verweigert. Die Burg Lochstädt gehört zu Gruppe der Haffburgen, die in der zweiten Generation der Ordensritter zwischen 1260 und 1290 entstanden und maßgebend zur Bildung des Konventshausstils beigetragen haben. Brandenburg, Königsberg, Marienburg und Lochstädt entstanden in einer zusammenhängenden Phase des Steinausbaus, und besonders zwischen der Marienburger Komtursburg und Lochstädt besteht eine enge Verwandschaft, die auf einen gemeinsamen Baumeister und vermutlich auch auf dieselbe Bauhütte schließen läßt.

Aus dem Buch: Burgenland Preussen von Friedrich Borchert; Mahnert-Lueg 1987



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