Rhein
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Zwischen dem Nordende des Rheiner Sees und dem Waldsee liegen auf einer Landenge Burg und Stadt Rhein. Vom Deutschen Orden wurde dieser Strategisch wichtige Platz erkannt und von der Komturei Balga aus um 1376 zugleich mit der Burg Barten massiv ausgebaut. Beide Burgen waren als Komtureien vorgesehen und wurden desshalb als Konventshäuser geplant. Nach Fertigstellung des Hauptflügels trat ein deutlicher Bruch in der Baukonzeption ein, denn der Nordostflügel wurde überhaupt nicht und die beiden anderen Flügel wurden nur in vereinfachter Bauweise errichtet. Trozdem war Rhein von 1393 an mit einigen Unterbrechungen bis zum Ende der Ordenszeit Komturei, zu der die Ämter Rastenburg, Leunenburg, Seehesten, Lötzen und Barten gehörten. Hier war von 1394 für drei Jahre Friedrich von Wallenrod Komtur, der später als oberster Marschall in der Schlacht bei Tannenberg fiel. Sein Nachfolger, Johann von Schönfeld, konnte sich als einer der wenigen Gebietiger aus dem Gemetzel der verlorenen Schlacht retten.
~ Die ursprünglich geplante vierflügelige Burg mit Ecktürmen kam nicht zur vollen Ausführung. Dennoch zeigt uns der im Südosten gelegene Hauptflügel von 44m Länge nach einer Bauaufnahme aus dem vorigen Jahrhundert und bei genauer Nachschau auch heute noch einiges von seiner früheren Gestalt.
~ Der parallel zum Hauptflügel liegende Nordwestflügel ist nur zu einem Drittel nach altem Plan ausgebaut worden. Er stößt bis zur Eingangsseite durch und enthielt im Kellergeschoß Fensterlose Verliese. Nach langer Vernachlässigung und partiellen Einstürzen wurde dieser Flügel ab 1798 als Salzmagazin verwendet. Er brannte 1881 bis auf die Grundmauern ab, wurde aber bald wiederaufgebaut.
~ Als 1752 das Königliche Hauptamt aufgehoben wurde, setzte der Verfall der Burg ein. Binnen fünfzig Jahren wechselte sie durch Verkäufe siebenmal den Besitzer, bis 1853 die Regierung sie erwarb und nach Umbau in eine Strafanstalt verwandelte. Bei dem Brand von 1881 blieb nur der Hauptflügel verschont. Die beiden anderen Flügel brannten nieder, wurden aber mit völlig veränderter Architektur sogleich wiederaufgebaut und hierbei durch eine dicke Putzschicht, Türmchen und Zinnen verunstaltet. Um 1911 beherbergten die Gebäude das Amtsgericht nebst Gefängnis. Heute sind in dem ungepflegten und allmählich verfallenden Haus Polnische Behörden untergebracht.
~ Der Orden legte Wert darauf, daß zur Versorgung seiner Burgen Mühlen vorhanden waren. Nahe der Burg, an der Nordbucht des Rheiner Sees, wurde eine Wassermühle betrieben, deren Wasser vom sieben Meter höheren Waldsee über ein Staubecken durch einen unterirdischen, gemauerten Kanal herangeführt wurde. Bemerkenswert ist, daß die Ritter in Rhein eine eigene Fischereiflottille von elf Boten unterhielten. "Nassutte" und "Kerbichin" sind die Bezeichungen für große und kleinere Fischereifahrzeuge. Die Zugnetzboote hießen "Watschiffe" und die Begleitboote nannte man "Folgekähne". Aus der Fischerei konnte der Speiseplan der Burgbesatzung angereichert und Vorräte angelegt werden. Auf Vorratswirtschaft legte man großen Wert, und in den Speichern und Magazinen fanden sich Roggen, Malz, Mehl Salz und Zwiebeln, aber auch getrocknetes oder geräuchertes Fleisch an Spießen sowie lebendes Vieh in den Ställen. Der Keller barg manches Faß Bier und Met, wobei die merkwürdigen Geschmacksrichtungen auffallen. Es gab nämlich Salbei-, Lavendel-, Schlehen- und Wermut - Bier. So war abwechslungsreich für gute und schlechte Tage vorgesorgt.
Aus dem Buch: Burgenland Preussen von Friedrich Borchert; Mahnert-Lueg 1987

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