Rastenburg
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Die Verbindung zwischen Burg, Kirche und Stadt wird in Rastenburg besonders deutlich, denn alle drei waren hier integrierte Bestandteile der gemeinsamen Verteidigungsanlagen. In das Mauerviereck mit Türmen und dreiseitig umgebenden Gräben waren an der nur vom Guber-Fluß und vom Mühlenteich mäßig gedeckten Südfront Burg und Kirche als starke Eckbastionen einbezogen. Vom ursprünglichen Baugedanken der etwa gleichgewichtigen Verteilung fortifikatorischer Aufgaben zwischen Ordensburg und Kirchenburg war nach vollem Ausbau der St.-Georgs-Kirche kaum noch etwas zu erkennen. Im Gegenteil bezeichnen spätere Betrachter den Gegensatz zwischen der gewaltigen Kirchenburg und der bescheidenen Ordensburg als ein Baurätsel. Wenn man jedoch die Baugeschichte berücksichtigt, so wird erkennbar, daß die St.-Georgs-Kirche erst gegen Ende der Ordenszeit die mächtigen Dimensionen erhielt. Zuerst war da eine kleine einschiffige Landkirche, deren 17m hoher Turm vom Eckturm der Stadtbefestigung übernommen worden war und diese Funktion auch weiterhin erfüllte. Seit der Gründung der Kirche um 1359 vergingen weit über hundert Jahre, bis sie die uns bekannte monumentale Gestalt erhielt. Der Turm wuchs auf eine Höhe von 48m empor, das Kirchenschiff wurde dreischiffig mit überhöhtem Mittelschiff und jetzt erst entstand der truzige, untersetzte Glockenturm als Gegengewicht zu dem hohen Wehrturm. Erst 1515 endete die Bauphase mit dem Anbau des großen Ostchors und mit der Ausstattung der Kirche mit Zellengewölben. Die Burg der Ordensritter ist dagegen schon um 1370 in einem Guß als dreiflügelige Anlage aus Stein erbaut worden. In ihren bescheidenen Ausmaßen von 31x37m stellt sie einen eigenen Typ der kleineren Verwaltungsburgen dar, wobei sie jedoch wehrhaft und streng wirkt. Man muß ferner berücksichtigen, daß zur Hauptburg mit umgebenden Parcham samt Wehrmauer auch noch zumindest eine, vermutlich aber sogar zwei Vorburgen mit entsprechenden Wehranlagen gehörten. Wenn man die Ausbauzeiten beider Baugruppen zeitgerecht im Auge behält, so zeigt sich, daß im 14. Jahrhundert wohl doch die Ordensburg den Schwerpunkt der Städtischen und regionalen Verteidigung, aber auch der Herrschaft bildete. Das Primat der Ordensritter und ihres Gebietigers, des Pflegers zu Rastenburg, war bis weit in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts unbestritten.
Aus dem Buch: Burgenland Preussen von Friedrich Borchert; Mahnert-Lueg 1987

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