Burg 19

Allenstein

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Quelle Bild: 2


Während die Nachrichten über den Bau der bischöflichen Burgen des Ermlandes eine fast lückenlose Baugeschichte geben, fließen sie bei den Burgbauten des ermländischen Domkapitels weit spärlicher. Es ist aber anzunehmen, daß das Domkapitel in seiner Bautätigkeit nicht hinter dem Bischof zurückstand und ebenfalls nach Aufteilung des Bistums 1348 den Ausbau der ihm zufallenden Burgplätze begann. Am besten hat sich von den Häusern des Domkapitels die Burg Allenstein erhalten. Als man 1353 die Stadt gründete, soll die Burg noch gebaut werden. Ihr Ausbau, der wohl bald darauf erfolgte, dürfte sich wie bei den anderen Burgen ziemlich lange hingezogen haben. Er muß sogar mit späteren Umbauten bis ins 15. und 16. Jahrhundert hineinreichen. Das Haus zu Allenstein, Abschnittsburg mit vorgelagerter Stadt ähnlich wie Rößel, wirkt als mächtiger, geschlossener Bau der Neidenburg verwandt.

Diese Übereinstimmung ist jedoch erst ein Ergebnis späterer Umgestaltung. Die Ursprüngliche Anordnung gleicht mehr dem ersten Plane der Burg Soldau vor der hinzufügung der Nebenflügel. Im Norden erhebt sich das dreiteilige Burghaus. Davor liegt ein gestreckt rechteckiger Hof, von Mauern umgeben, mit einem im Unterbau quadratischen Turm an der Südwestecke. Der Eingang öffnet sich wie heute noch in der Ostseite, erst später wurde, wie schon aus den dünnen Hofwänden hervorgeht, der Südflügel eingebaut. Auf den quadratischen Unterbau des Turmes wurde wohl gleichzeitig mit dem Hauptturm in Rößel und dem Vorburgturm in Heilsberg, also im 16. Jahrhundert, ein dicker, weiträumiger Rundturm aufgesetzt. Neuzeitlich ist der Umbau an der östlichen Langseite. Die Außenecken am nördlichen Burghaus springen wie in Heilsberg in breiter Fläche schmal vor die Mauerfront vor. Ein entsprechendes Ausspringen der Mauer läßt sich bis zu einer bestimmten Höhe auch an der Südseite des zweiten Burghauses feststellen. Zugleich mit dieser nur für einen älteren Zusatnd möglichen Anordnung beweisen versetzte Wehfenster und andersartiges Mauerwerk, daß die Mauerhöhe früher einmal tiefer lag und daß später, wahrscheinlich mit der Errichtung des Südflügels, eine Erhöhung vorgenommen wurde. Durch vorkragen der Deckenbalken auf hölzernen Stützen entstanden, hurdenartig, werfscharten zur Sicherung der Südfront. In dem so vorgekragten hölzernen Wehrgang liegen Wehrfenster.

Die jetzt zum Teil abgetragene westliche Seitenmauer läßt doppelte Wehrgänge, davon einen in halber Höhe erkennen. Die Mauer stieg bis zur Haushöhe empor. An der Gegenseite, wo sie jetzt durch das neuzeitliche Haus ersetzt wird, war sie ebenso hoch. Im Nordflügel, dem eigentlichen Wohnbau, liegen über Erd- und Hauptgeschoß mehrere große, speicherartige Stockwerke, alle reichlich mit Wehrfenstern versehen, so daß auch hier sich mehrere Verteidigungslinien übereinander befanden. Das entspricht bereits später Verteidigungsgewohnheit, die reichliche Besatzung durch Söldner voraussetzt. Auch die kleineren Wehrfenster für Hakenbüchsen sind spät. Der Südflügel, mit ungewölbtem, weiten Lagerräumen, muß als eine Art Söldnerkaserne angesprochen werden. So vollendet sich in Allenstein die in Neidenburg bereits begonnene Entwicklung der Preußischen kleineren Verwaltungsburg zur Kriegs- und Söldnerburg.

Aus dem Buch: Karl Heinz Clasen; Die Mittelalterliche Kunst im Gebiete des Deutschordensstaates Preussen (die Burgbauten); Verlag Weidlich


(Neu 11/04) Bildquelle: Stefan Schoen



Quelle Bild: 7


(Neu 11/04) Bildquelle: Stefan Schoen



Quelle Bild: 2


(Neu 11/04) Bildquelle: Stefan Schoen


(Neu 11/04) Bildquelle: Stefan Schoen


(Neu 11/04) Bildquelle: Stefan Schoen



Quelle Bild: 2



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