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Waffen und Ausstattung
(Die Lanze)

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Die folgende Waffe wirkt wie eine Mischung zwischen Flügellanze und Saufeder (Jagdspieß) und war vermutlich eher für die Jagd auf Keiler (männliche Wildschweine) und Bachen (weibliche Wildschweine) gedacht. Sie wurde aber auch -wie in meinem Fall- zum Aufhängen des Schildes vor dem Zelt verwendet da die zu sehenden Querstange perfekt zur Aufnahme des Aufhängebandes des Schildes geeignet ist.

Dieses "Aufhängen des Schildes vor dem Zelt" war gerade beim Turnier besonders wichtig, da es beim Tjostieren (Lanzenstechen) üblich war zum Zelt desjenigen zu reiten den man herausfordern wollte und mit der Lanzenspitze an den aufgehängten Schild zu stoßen. Damit war die Herausforderung an den bzw. die Gegner offiziell. Beim Tjostieren selber wurden allerdings "stumpfe" Lanzen mit "Krönchen-Spitzen" verwendet. Dadurch war der Tjost etwas "entschärft".

Trozdem gab es noch genug Todesfälle. Teils durch Splitter von gebrochenen Lanzen (Halstreffer bzw. eindringen in den Augenschlitz), teils durch Ersticken unterm Helm durch den aufgewirbelten Staub des Turnierplatzes (bei den "Keulenturnieren"), teils durch das harte Aufschlagen auf den Boden in voller Rüstung (Genickbruch).

Im richtigen Kampf bzw. im Krieg wurde die folgende Waffe vermutlich auch genutzt, da sie durchaus als Lanze geführt bzw. verwendet werden konnte.


( Neu 8 / 04 )

Länge: Spitze bis Schaftende ca. 50 cm

Länge des Querbalkens: ca. 14 cm

Innendurchmesser der Tülle: ca. 3,8 cm

Geliefert wurde mir diese wunderschöne Arbeit von der Firma Süd-West in Langenau.
Mein Ansprechpartner dort: H. Jung (Tel: 07345 / 807178), ein äußerst freundlicher und hilfsbereiter Mensch, dem ich hiermit herzlich für die schnelle Bearbeitung meiner Anfrage(n) danken möchte (siehe auch "Danksagung" am linken Seitenrand).

Ich selber stelle mich nicht zum Tjost (ich gebe zu ich kann nicht mal Reiten) sondern präsentiere den Schild aus den oben genannten historischen Gründen vor dem Zelt am Spieß (dem so genannten Schildbaum).

Ausserdem sieht es -so finde ich jedenfalls- sehr schön aus wenn man schon von weitem sehen kann WER da sein Lager aufgeschlagen hat.

Da ich inzwischen auch über Feldzeichen (einen dreieckigen Wimpel und eine große Standarte) verfüge, brauchte ich noch eine weitere Lanzenspitze für den Wimpel.

Und so sieht sie aus:


( Neu 3 / 06 )

Länge der Spitze bis Schaftende: ~ 40 cm

Innendurchmesser der Tülle: ~ 2,8 cm

Für Schaukämpfe sind beide Lanzenspitzen übrigens nicht zu gebrauchen,
da beide -wie man unschwer erkennen kann- viel zu spitz dafür sind.


Und so sehen die Feldzeichen an Lanze und Querstange angebracht aus:


(Neu: 3 / 06)


Eine kleine geschichtliche Anmerkung zur Einstellung
der Kirche den Turnieren gegenüber.


Turnierverbote!

Die Kirche war ein entschiedener Gegner der Turniere. Sie warf den Turnierteilnehmern eitle Selbstdarstellung vor und rügte vor allem die mit dem Turnier verbundenen Vergnügungen und Belustigungen. Auch die Verehrung einer verheirateten Frau im Rahmen der ritterlichen Minne war der Kirche äußerst verdächtig. Neben etwaigen moralischen Bedenken, äußerte sie auch Kritik an der hohen Zahl der Toten. Während der "gerechte Krieg" der Kreuzritter gegen "die Ungläubigen" selbstverständlich Unterstützung genoß, wurde das Töten unter den christlichen Rittern von der Kirche geächtet. Papst Innozenz der II. (1130-1143) untersagte auf dem 2. Konzil von Clermont im Jahr 1130 "die Abhaltung jener abscheulichen Märkte oder Jahrmärkte, auf denen die Ritter sich nach ihrer Gewohnheit zusammenfinden, um ihre Kräfte und ihre Kühnheit zu messen, was oft zum Tode von Männern und zu großer Gefahr für die Seelen führt". Derjenige Ritter, der bei einem Turnier sein Leben verlor, habe zwar Anspruch auf die Tröstungen der Kirche, solle aber nicht in geweihter Erde begraben werden. Obwohl auch spätere Konzilien (1139, 1179 und 1193) die Turniere kritisierten und warnten, daß der während eines Turniers getötete Ritter die ewige Seligkeit verlöre, zeigten die kirchlichen Drohungen kaum Wirkung. Die Turnierleidenschaft der Fürsten und Ritter und ihre Freude an festlichem Gepränge waren stärker als alle Verbote. Papst Gregor X. forderte König Rudolf von Habsburg im Jahr 1275 auf, die Turniere im Reich zu verbieten. Dieser war jedoch selbst ein großer Anhänger des Turniers und trat mehrmals persönlich zum Tjostieren an. Die Kirche konnte auf der anderen Seite ihre Strafandrohungen nicht in die Tat umsetzen, weil eine massenhafte Exkommunizierung die Ritterschaft derart dezimiert hätte, daß den Kreuzzugsheeren die Kämpfer ausgegangen wären. Im Jahr 1316 resignierte die Kirche und Papst Johannes XXII. (1316-1334) hob das kirchliche Turnierverbot wieder auf.

von der CD-ROM: Burg Ritter Spielmann
© 2000 bei: Stefan Grathoff (Historiker) 56459 Berzhan, Wolfgang Herdegen (Programm) 56459 Pottum


So gesehen hätte ich als Darsteller eines Ordensritters ja eigentlich nichts auf Märkten und Ritterfesten zu suchen...

Allerdings möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, was die entsprechende Ordensregel

zu diesem Thema zu sagen hat:


(Auszug aus Regel 28)

"Hochzeiten, Rittertreffen und andere Zusammenkünfte, die der Hoffart der Welt dienen und Schauspiele des Satans sind, sollen sie (die Brüder) nicht besuchen. Wenn sie es in Angelegenheiten des Ordens tun und um Leute zu gewinnen, so sei es erlaubt".


Somit wäre also die Welt (des Darstellers) wieder in Ordnung und der Besuch mittelalterlicher Feste und Märkte legitimiert. :o)


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