III


Der Topfhelm
Auswahl Mittelalter


Im ersten Teil werde ich die Entwicklung der Topfhelmform vorstellen.

Später, im zweiten Abschnitt dieser Seite geht es dann um die Herstellung meines eigenen Topfhelmes.

>>>nach Unten zur Bauanleitung<<<




Entwicklung der Topfhelmform

Nachfolgend hier eine kleine, für meinen Darstellungszeitrahmen mehr oder weniger relevante, Aufstellung der bekannten Topfhelmformen und deren vermutlichen Erscheinungsdatierung.


Zunächst die wohl früheste Form des Topfhelmes.


Diese Datiert auf etwa 1180


Daraus entwickelte sich dann eine Topfhelm-Version mit besserem Gesichtsschutz
(der Barbiere).


Diese Datiert auf etwa 1200


Als nächster Entwicklungsschritt taucht ca. 30 Jahre später der folgende Helmtyp auf.


Datiert auf etwa 1230


Bei den folgenden "Modellen" kann man (nach der Heraldischen Definition) eigentlich schon nicht mehr von "richtigen" Topfhelmen sprechen, da Sie sich eindeutig mehr in Richtung Faß- oder Kübelhelm entwickeln. Da sich das im normalen Sprachgebrauch aber so "Eingebürgert" hat, wollen wir hier nicht zu sehr dagegen sprechen. Deshalb habe ich auf eine sprachliche Klassifizierung verzichtet und nenne die Helmformen nachfolgend neutral "Helmtyp". Wer sich das noch genauer anlesen möchte kann das im Bereich Heraldik (hier) tun.


Etwa 20 Jahre später können wir den folgenden Helmtyp in Bilderhandschriften
wie der Maciejowski-Bibel (Kreuzfahrerbibel) finden.

Um mehr von diesem Helmtyp zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild oder

>>>HIER<<<


Datiert auf etwa 1250


Irgendwann zwischen 1250 u. 1290 entwickelte sich dann der folgende Helmtyp
(Dieser, im Laufe seiner Entwicklung, später auch mit gewölbter Scheitelplatte).

Um mehr von diesem Helmtyp zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild oder

>>>HIER<<<


Datiert auf etwa 1280

Hiermit will ich es dann auch bewenden lassen, da die späteren Helmtypen
in der einschlägigen Literatur gut genug beschrieben sind.




Topfhelm Eigenbau

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Neben dem Kettenhemd, Schild und dem Schwert ist wohl der Topfhelm DAS Erkennungsmerkmal eines Ritters. Also entschied ich mich dazu mir meinen eigenen Topfhelm zu bauen. Jedoch stellte sich heraus, das dies leichter gesagt war als getan. Insgesamt gingen rund 40 Arbeitsstunden in dieses Vater-Sohn Projekt. Am Anfang eines solchen Projektes steht eine Menge Theorie, und die braucht man auch. In den nächsten beiden Bildern zeige ich mal zwei meiner Skizzen und Berechnungsblätter.


Ich gebe zu, viel ist nicht mehr zu erkennen, aber das ist jetzt auch nicht mehr ganz so wichtig.

Jetzt geht´s ans basteln.

Mein Tipp: erstmal aus Pappe vorbasteln und dann die dabei gemachten Erfahrungen mit auf´s Metall übernehmen. Das erspart viel Nerven und bestimmt auch einiges an Geld (es ist sehr ärgerlich wenn man sich versägt und dann nochmal losfahren muß um neues Material zu holen).

In diesem Bild habe ich aus einem Stahlblech zwei Stücke herausgesägt. Das obere Teil bildet hinterher die Rückseite im Bereich des Halses / Nackens / unteren Hinterkopfes. Die Stärke des Bleches beträgt in diesem Beispiel 0,75 mm. Für Schaukampf ist das NICHT geeignet, aber für´s Basteln ist das genau richtig. Stärkeres Material als 1,00 mm würde ich aus Gründen der Bearbeitbarkeit nicht empfehlen, es sei denn man hat einen Karosseriebauer in der Familie der über das nötige Werkzeug verfügt.


Bitte an´s gründliche ENTGRATEN denken, sonst wird die Anprobe blutig.


Dann habe ich Vorder -und Rückseite vernietet. Nein, keine Pop-Nieten sondern richtige, von Hand gedengelte Nietstifte. Das dafür benötigte Werkzeug kann nur im gut sortierten Fachhandel und unter Garantie NICHT im Baumarkt bezogen werden. Das musste ich lernen, als ich mir 14 Tage vergeblich die Hacken abgerannt habe. Wie eine ordentliche Vernietung meiner Meinung nach aussieht, habe ich in dem nun folgenden Bild abgelichtet.

Im rechten Bild - der Blick von oben in den unteren Teil des Topfhelmes.

Jetzt kommt der schwierigere Teil. Für den oberen Part des Helmes braucht man die Abwicklungs-Zeichnung eines Kegelstumpfes (mal wieder im Mathe-Buch blättern), da der Durchmesser konisch nach oben laufend kleiner wird. D.h. die Grundfläche ist im Durchmesser größer als der Durchmesser des "Deckels" des Helmes.

Der Ausschnitt des Sehschlitzes ist Ähnlich dem der Unterseite.

Ich habe vorne in meinen Helm noch einen Knick gemacht, weil ich das schöner fand. Leider ist dadurch hinten eine Klaffung entstanden, welche ich mittels eines zusätzlichen Bleches verdecken / schließen musste. Sodann habe ich die Bohrungen gesetzt und alles mit Hilfe von Blechschrauben erstmal fixiert. Diese Blechschrauben gibt es allerdings im Baumarkt. Danach habe ich dann Schraube für Schraube entfernt und durch Nieten ersetzt.

Jetzt kommt der Nasenschutz, welcher auch gleichzeitig eine Verzierung des Sehschlitzes darstellt. Auch hier wieder: erstmal aus Pappe vorbasteln und hinterher ans Metall gehen. Die Applikation hat in diesem Fall die Form eines Kleeblatt- oder Mauritiuskreuzes (das verwendete Material ist Messing), kann jedoch auch anders aussehen. Je nach Geschmack des Erbauers. Oben und rechts sieht man schon den von mir gemachten "Deckel". Da ich nicht über Stanzmaschinen oder eine Esse (Schmiede) verfüge, musste ich viele Einschnitte machen um die Kante halbwegs ordentlich umbiegen zu können. Diese Einschnitte bzw. Einsägungen verdecke ich hinterher noch mit einem aufgenieteten Metallband.

Hier nun mein fertiger Helm. Ok, man kann´s besser machen (und genau dafür gebe ich ja hier die Denkanstöße) aber für meinen ersten Versuch und dafür, das ich sowas nicht gelernt habe, finde ich Ihn allemal sehenswert, auch wenn er natürlich kein Vergleich zu den anderen, hier vorgestellten Helmen sein kann.




Pflegetip:

Das Metall von Helmen ohne Messingapplikationen wird am besten mit Ballistol, daß von Helmen mit Messingteilen mit Nähmaschinenöl
(WD-40, WD- 30) geschützt.


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