II


Der Schild
zum Eigenbau, Auswahl Mittelalter




Ein Infanterie-Schild des Dt. Ordens (um 1250) entsteht

Der Schildrohling wurde nach meinen Angaben bei der Fa. Zeughaus Wiking in Köln in Auftrag gegeben. Die Maße:

- Höhe: 99cm
- Breite: 69cm
- Höhe der Wölbung 16cm

Die Vorlage zu diesem Schild lieferte mir das Buch " Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik 1150 - 1320" aus dem Karfunkel-Verlag. Seite 74/75 Tafel "F". Dieses Buch dürfte für alle ein Begriff sein, die sich für das Thema Mittelalter intensiver interessieren. Allen die dieses Buch noch nicht kennen, möchte ich es hiermit wärmstens empfehlen.

Der Rohling besteht aus Kreuzverleimten Holz (was der Historizität Rechnung trägt, da damals keine Metall-Schilde Verwendung fanden). Verwendet wurde Birke-Pappel-Birke für die Verleimung. Der Schild ist mit weißem Leinen bespannt und wurde mit Rohleder (genagelt) umrandet. Die Links zu sehenden, schräg verlaufenden Nagelköpfe auf dem Leinen gehören zur Arm-Polsterung auf der Innenseite.





Hier nun deutlich zu erkennen, die Kontur des Kreuzes. Da einem Schild nicht nur eine Schutzfunktion zukam sondern auch auf 200 Schritte Entfernung zeigen sollte, wer der Träger war, der diesen Schild führte, wurden weit sichtbare Zeichen (Wappen) darauf angebracht. Hier jetzt näher darauf einzugehen würde den Rahmen dieser Rubrik sprengen, da das Gebiet der Heraldik (so die Fachbezeichnung dieser Wappenlehre) so umfangreich ist. Ich gehe aber in einem gesonderten Bereich näher auf dieses Thema ein. Nun aber wieder zurück zu dem links abgebildeten Schild.

Stoffmalfarbe, ein Pinsel und Geduld waren nötig, es ordentlich aussehen zu lassen.

Mein Tip:

Erst die Kontur mit etwa 2-3cm Breite fertigstellen, dann einen größeren Pinsel nehmen und die noch freie Fläche ausmalen. Dabei braucht man sich dann nicht mehr ganz so stark Konzentrieren und kommt nicht so schnell über den vorgezeichneten Rand hinaus.





Allen die sich jetzt sagen: "Hübsch, aber ich hätte es gerne etwas poppiger" sei ein warnendes Wort mit auf den Weg gegeben.

Wer sich halbwegs an die Regeln der Heraldik halten möchte, der sollte auf jeden Fall vermeiden den Kardinals-Fehler zu begehen und "Farbe" auf "Farbe" oder "Metall" auf "Metall" zu malen.

Metalle sind: Weiß für Silber und Gelb für Gold. Farben sind somit: Blau, Rot, Schwarz, Grün usw.

Malen Sie also bitte nicht z.B. Rot auf Blau oder Gelb auf Weiß oder Schwarz auf Grün, wenn Sie sich nicht unsterblich lächerlich machen wollen.

Einzige mir bekannte Ausnahme:

Das Jerusalem-Kreuz

dieses gab es in der Farbvariante:

Gelbe Kreuze auf weißem Grund.

Wer sich jetzt noch dafür interessiert was er da so mit sich rumschleppen muß sei hiermit informiert.

Gewicht des Schildes: 4,5 Kg.

Zu den Details der Beriemung auf der Rückseite komme ich dann beim nächsten Bild.





Die Beriemung (hier links zu sehen) ist nicht Historisch verbürgt, wurde mir aber von einem erfahrenen Reenactor aus Komfort-Gründen empfohlen (danke Thorsten). Aufgrund meiner Erfahrung mit dieser Beriemung kann ich mir nachträglich nur Gratulieren, diesen Rat angenommen zu haben. Er läßt sich fantastisch leicht tragen und das empfundene Gewicht beträgt Max. 2 Kg. Die Polsterung besteht aus unterfüttertem Leder, ist genagelt und nimmt meinen gesamten Unterarm auf. Historisch korrekt und somit wesentlich unbequemer wären übrigens 2-3 quer zur Polsterung laufende Riemen gewesen.



Eigenbau
zum Seitenanfang

Inzwischen (Stand 6 / 04) habe ich mir selber meinen ersten Reiterschild gebaut. Die Vorlage(n) und Ideen dazu lieferte mir das Buch:

"Der mittelalterliche Reiterschild" von Jan Kohlmorgen

aus dem Karfunkel Verlag . Wald-Michelbach

Jedem der beabsichtigt sich selbst einen Schild zu bauen kann ich dieses Buch nur wärmstens und mit Nachdruck empfehlen. Aber auch für alle anderen dürfte es interessant sein, da man dort erfährt wieviel Arbeit, Aufwand und Zeit eigentlich in solch einem selbst gebauten Schild stecken.




Wie auf diesem Bild zu sehen, habe ich den gesamten Schild

Höhe: ca. 75 cm
Breite: ca. 50 cm

mit Rohleder verkleidet. Die Polsterung und die Idee der Befestigungsringe habe ich von meinem weiter oben zu sehenden Infantrieschild entlehnt. Die Positionen für die Beriemungsanordnung und das Aufhängeband ( Nr.3 ) habe ich dem vorhin erwähnten Buch von Jan Kohlmorgen entnommen.

Ziffernerklärung:

____1 - Beriemung des
____Unterarms
_2 - Schildfessel
___3 - Aufhängeband
4 - Polsterung
_5 - Griffriemen





Nach der Grundierung mit Kreidegrund (Aus dem Farben-fachgeschäft Dierk Müller aus dem fernen Hamburg) habe ich das schwarze BalkenKreuz des Ordens auf der Schild-vorderseite mit Plakafarbe (eine Tempera-Farbe) aufgetragen und hinterher -wie auch schon die lederbespannte Rückseite- mit einem Wasserundurchlässigen Harz-Lack behandelt. Die einzelnen Schritte der Herstellung zu erläutern wäre hier etwas zu umfangreich (das bereits erwähnte Buch über den Reiterschild hat 189 Seiten). Ich hoffe aber die beiden Bilder geben schon einen recht guten Eindruck von der geleisteten Arbeit.



Bildquelle: Handbuch der Heraldik . Wappenfibel

Verlag Degener & Co


Hier noch eine Übersicht über die verschiedenen Schildformen und die Jahrhunderte in denen Sie am weitesten verbreitet waren.

Hier zum Abschluß noch zwei Bilder der beiden Schilde "am Mann".



(Neu 6 / 07)



(Neu 6 / 07)

Hier kann man nun sehr schön im direkten Vergleich den Größenunterschied der
beiden Schilde zueinander sehen.


Neu seit 4 / 09

In letzter Zeit bin ich schon ein paar Mal nach den Maßen der Kreuze gefragt worden.

Daher nenne ich Ihnen hier nun die Maße für beide Kreuze.

Auf dem oberen Infanterieschild habe ich folgende Kreuzmaße verwendet:

- Balkenstärke: 7,5 cm

- Abstand Oberkante Querbalken zu oberem Schildrand: 29 cm


Auf dem kleineren, unten zu sehenden Schild, waren es die folgenden Kreuzmaße:

- Balkenstärke: 5,0 cm

- Abstand Oberkante Querbalken zu oberem Schildrand: 21 cm


zum Seitenanfang



[zurück zu Kapitel I] [Auswahl Mittelalter] [vor zu Kapitel III]