VII
Das Ankleiden um 1250
(Gerüstet)
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Nachdem ich mir also meine Ausrüstung zusammengestellt und komplettiert habe möchte ich hier nun anhand von Bildern verdeutlichen, wie das Ankleiden eines gerüsteten Ordensritters zur damaligen Zeit wahrscheinlich von Statten ging.
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Schritt I & II: Reiterbruche und Hemd
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Hier wurde wohl zunächst die Hirschlederne "Unterhose" (damals Bruche, Braccae, Bruoch oder Bruech genannt) angezogen. Im Fall von Edelleuten und Rittern hieß das: "Reiterbruche". Ein Bild der Rückseite gibt es
Dann kam das "Unterhemd" auch Chainse genannt, hier links zu sehen. Für die Ordensritter im Sommer aus Leinen, für den Winter jedoch aus Wolle. Das Hemd sollte bei Verwendung der Reiterbruche alleine schon aus rein praktischen Gesichtspunkten in die Bruche gesteckt werden.
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______________________Schritt III: Gambesonbeinlinge und Schuhe
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Danach kamen abgesteppte Beinlinge aus Stoff oder -wie hier verwendet- aus Leder (Vom Rind).
Lederstärke: 2 bis 3mm Die Polsterung der Gambesonteile bestand damals bei den wohlhabenderen Adeligen aus -zu Zöpfen geflochtenem- Roßhaar, was wohl (eben durch das Flechten) eine ganz enorme Schnittfestigkeit besaß. Dieser Tage werden gerne Umzugsdecken aus dem Baumarkt oder Bundeswehrdecken für die Polsterung verwendet, da Roßhaar Heute (in diesen Mengen) fast unbezahlbar wäre. Wurde nur__dieser Körperschutz verwendet, die Kettenbeinlinge also weggelassen, kamen jetzt wohl zusätzlich noch die Schuhe / Stiefel. Für alle Menschen mit Rückenproblemen hier ein Tip aus der Praxis: Dies wäre jetzt der geeignete Platz für einen (gänzlich unauthentischen) Gewichthebergürtel um später den Zug des Kettenhemdes auf die Wirbelsäule ein wenig abzufangen. Die Beinlinge können am gerade erwähnten Gewichthebergürtel mit starken Lederbändern angenestelt (befestigt) werden. Menschen ohne diese Problematik können alternativ dazu natürlich einen ganz normalen, von Hand vernähten (authentischen), Ledergürtel verwenden. |
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Schritt IV: Kettenbeinlinge
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Dieses Bild dürfte einen recht guten Eindruck vermitteln wie es damals wohl ausgesehen haben könnte. Wie im vorherigen Bild erwähnt, können Menschen mit Rückenproblemen (wie ich) die Kettenbeinlinge vielleicht besser an einem Gewichthebergürtel einhängen, da dieser breiter ist, zur Stützung der Wirbelsäule ein gepolstertes Rückenteil besitzt und unter Zug an den Hüften nicht bzw. nicht so stark einschneidet. Zur damaligen Zeit (1250) waren besagte Kettenbeinlinge durchgehend und besaßen ein angesetztes Fußteil sowie Ledersohlen. Auch Sporen wurden an den Knöcheln getragen. Da ich aber nicht gleich nach dem Ankleiden auf´s Pferd steige, gibt´s die hier auch nicht zu sehen. Im Kapitel VI "Die Kettenbeinlinge" sind noch mehr und genauere Bilder dieser (in meinem Fall 11 Kg schweren) Rüstungsteile zu sehen. Man(n) sollte allerdings nicht vergessen, daß diese Rüstungsteile zum Schutz des Ritters "hoch zu Roß" gedacht waren (Fußkämpfer konnten ihre Beine ja mit dem großen Infantrieschild schützen) und daher für das normale "Rumlaufen" nicht wirklich praktisch sind. Zur Zeit arbeite ich an Kettenbeinlingen aus vernieteten 10mm Flachringen. Das es nach Fertigstellung derselben eine neue Bilderserie geben wird wage ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings zu bezweifeln.
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_________________________ Schritt V: Gambeson
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Im Oktober ´06 neu von meinem Haus- und Hofschneider geliefert: Der Ledergambeson. Dieser abgesteppte Waffenrock wurde zwischen Unterhemd und Kettenhemd getragen. Sieht bullig aus? . . . Ist er auch!_Allerdings wird er bei öfterem Tragen wohl noch etwas geschmeidiger werden. Auch hier habe ich mich -wie bei den Gambesonbeinlingen- für eine Version aus Leder (auch hier 2 bis 3 mm stark) entschieden, da dieses Naturprodukt damals ein überaus weit verbreitetes "Gebrauchsmaterial" war, und es (gerade bei vernieteten Kettenringen) einfach wesentlich strapazierfähiger ist als Leinen. Diese, vermutlich zw. 6 und 10Kg schweren, Lederteile waren damals (genau wie die Beinlinge) gepolstert um die Wucht auftreffender Hiebe zu dämpfen und Verletzungsfolgen zu mindern. Ab hier mit Gambesonhaube. Leider hatten diese gesteppten Sachen neben dem hohen Gewicht (der hier zu sehende Gambi wiegt etwa 8 Kg) gleichzeitig den Nachteil höllisch zu wärmen. Im Winter bestimmt praktisch, waren Sie im Sommer oder im heiligen Land wohl oft ungewollt tödlich (Hitzschlag oder / und Dehydrierung). |
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Schritt VI: Kettenhemd
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Auf den etwa 10mm dicken Gambeson kommt nun das wohl berühmteste "Kleidungsstück" des Mittelalters.
Das Kettenhemd! Mein hier zu sehendes Panzerhemd ist mit angesetzten Handschuhen etwa 14 Kg schwer. Dieses aus tausenden von vernieteten Ringen bestehende "Kunstwerk" diente dem Schutz vor Schnittverletzungen, war aber keine Garantie für´s Überleben. Spitze Pfeile und Armbrustbolzen sprengten die Ringe auf und gingen durch. Ein Tailliengürtel würde jetzt hier einen großen Teil des Zuges von den Schultern nehmen, und das tragen des Hemdes fast schon angenehm machen (macht selbst mit Gewichthebergürtel wirklich ´ne Menge aus). Die oftmals heiß begehrten Ringe mit Dreiecksnieten kamen übrigens (so meinem Wissensstand) erst Anfang des 14. Jh. auf und sind daher für meinen Darstellungszeitraum nicht relevant. Zu den Kettenfäustlingen wäre vielleicht noch zu erwähnen, daß diese um 1250, wie hier zu sehen, fest mit dem Kettenhemd verbunden waren und eine Schlitzung in der aus Leder bestehenden Handfläche hatten. Mehr Bilder der Fäustlinge gibt es
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______________________________Schritt VII: Kettenhaube
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Unter der Kettenhaube befindet sich die schon bekannte, gepolsterte und abgesteppte Bundhaube (ebenfalls aus Leder).
Die so genannte Gambesonhaube. Weitere Bilder meiner Bundhauben sind hier zu sehen:
Der Grund die hier zu sehende Kettenhaube zum jetzigen Zeitpunkt zu zeigen, liegt darin begründet, das Mitte des 13. Jahrhunderts die Kettenhaube meistens fest mit dem Kettenhemd verbunden war. Ich habe mich aus Gründen der Bequemlichkeit allerdings dazu entschlossen, diese Haube extra zu fertigen, um sie auch mal absetzen zu können. Historisch betrachtet war zu dieser Zeit die angesetzte Haube wohl die Regel und die seperat getragene eher die Ausnahme. Das verwendete Material ist historisch korrekt, da im Mittelalter auch für die Kettenhauben vernietete Ringe verwendet wurden. Diese Panzerhaube wiegt in der, hier gezeigten, Ausführung knappe 3 Kg.
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Schritt VIII: Wappenrock
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Dies ist der Wappen- oder auch Waffenrock.
Diese Verwirrung entsteht durch die >>Heraldik<< in der das Wort Wappen mit dem Wort Waffen gleichgesetzt wird. Er ist desshalb (so mein Wissensstand) immer ein Teil der militärischen Bekleidung. Dieser Wappenrock oder auch (Surcot, im 12. Jhd. Bliaut) genannt, trägt bei Rittern das Erkennungszeichen seines Besitzers, sein Wappen, oder / und seine Farben. In diesem Fall also das schlichte, schwarze Balkenkreuz des Deutschen Ordens. Neben der gerade erwähnten Funktion hatte der Wappenrock (im Heiligen Land und im Sommer jedenfalls) zusätzlich noch die Aufgabe das Kettengeflecht vor allzu starker Aufheizung durch die intensive Sonneneinstrahlung zu schützen. Bis jetzt sieht alles noch etwas komisch (Sackartig) aus, was sich im nächsten Bild allerdings deutlich ändern wird.
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______________________________Schritt IX: Gürtel und Wehrgehänge
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Wie angekündigt ist in diesem Bild eine deutliche Veränderung zu sehen.
War im vorherigen Bild noch alles etwas schlicht und nüchtern, ist Hier nun zusätzlich der Gürtel (schon wieder ein Gürtel *stöhn*) vorhanden. Auch das Wehrgehänge mit Schwert und Dolch ist jetzt angelegt.
Bitte wundern Sie sich nicht über den hier und auf dem nächsten Bild zu sehenden Nasalhelm. Da dieser auch schon vor 1250 verbreitet war, ist er hier weder falsch noch fehl am Platze. Ganz am Schluß kommt dann wieder der "gewohnte" Helm zum Einsatz.
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Schritt X: Mantel
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Über diesen Teil der Ausrüstung könnte man Abhandlungen im Format einer Doktorarbeit schreiben, was ich mir hier allerdings (mit Rücksicht auf Ihre Geduld und meine Finger) verkneifen möchte.
Der Mantel (ein Tasselmantel) ist hier in einer schweren Wollausführung (im Halbkreisschnitt) zu sehen, was der Historie Rechnung trägt. Das Kreuz (ein einfaches Balkenkreuz) wird allein auf der linken Mantelseite (Herzseite) getragen. Das hier zu sehende Bild entspricht dem Stand Januar / 2007.
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Durchaus denkbar das der Mantel für den, oder im Kampf abgelegt wurde um bei dem Hantieren mit den Waffen nicht im Weg zu sein. Diese Meinung wird jedenfalls von immer mehr Menschen vertreten, mit denen ich über diese Thematik diskutiere und diskutiert habe und auch ich halte diese Ansicht inzwischen für durchaus vertretbar.
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Fertig!!!
Kaum ein Dreiviertelstündchen später . . .
und
etwa 40 Kg schwerer
(Helm, Schild, Dolch, Wappenrock und diverse Ledergürtel müssen ja auch noch mitgezählt werden)
ist es vollbracht.
Auf in den Kampf, in voller Montur und frohen Mutes. :o)
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Ok, jetzt sollte man noch bedenken, daß die Rittersleut´ früher nicht die gleichen Körpermaße hatten wie wir Heute und das sich daher die Gewichte etwas anders zusammengesetzt haben dürften. Allerdings ist eine Abweichung von mehr als 10 Kg nach unten wohl nicht anzunehmen. Auch wenn die Ordensritter um die es hier geht wohl meistens beritten waren sind somit etwa 30.Kg Zusatzgewicht nicht eben von Pappe und nötigen -mir zumindest- einen gehörigen Respekt vor der gewaltigen (nicht nur körperlichen) Leistung unserer Vorfahren ab. |
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An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, daß ich aus mehreren, teils privaten, teils gesundheitlichen Gründen nicht für Schaukämpfe etc. zur Verfügung stehe. Zwei dieser Gründe sind: Ich möchte mich auf die Darstellung und Veranschaulichung der Rüstungs- und Waffentechnik der damaligen Zeit beschränken, und dann ist mir meine Ausrüstung einfach zu wertvoll und ich habe zu viel Arbeit, Geld, Zeit und Herz (Recherche) hinein gesteckt um sie mir zu Klump schlagen oder beschädigen zu lassen. Somit muß ich allen an mich gerichteten Bitten und Ansinnen nach solchen Aktivitäten eine Absage erteilen. Diese Entscheidung ist nicht verhandelbar! |
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